Wohin geht der Zins?
Nun, bevor wir diese Frage beantworten, sollten wir zwischen einem kurzfristigen Zinstrend (also wenige Tage) und einer langfristigen Vorausschau der Zinsentwicklung unterscheiden:
Die kurzfristige Zinsentwicklung können wir Ihnen recht zuverlässig an Hand unseres Trendpfeils (den sehen Sie oben rechts) darlegen; fahren Sie mit Ihrer Maus über den 'Ausblick', finden Sie unseren kurzen Zinskommentar. Wir bilden hier einerseits die börsentägliche Kursentwicklung langfristiger Kapitalmarktzinsen ab, die sich immer mit ein paar Tagen Verzögerung auf die Hypothekenzinsen durchschlagen und andererseits bereits in Aussicht gestellte Zinsentscheidungen unserer Kooperationsbanken.
Was bringt Ihnen das?
Ganz einfach: Bei einem steigenden Zinstrend müssen Sie davon ausgehen, dass die veröffentlichten, grundsätzlich immer tagesgültigen Konditionen in Kürze steigen werden, weil mit kurzfristigen Zinserhöhungen der Banken zu rechnen ist. Besteht bei Ihnen folglich Interesse an einem Forwarddarlehen, so sollte entsprechend zügig gehandelt werden und vor allem dafür Sorge getragen werden, dass die für eine konkrete Darlehensanfrage benötigten Unterlagen bereitstehen. Um den Zeitdruck so weit wie möglich zu nehmen, können wir Ihnen einen einmal besprochenen Zinssatz ggf. für einen bestimmten Zeitraum reservieren; da dies aber immer vom Einzelfall und dem in Frage kommenden Darlehensgeber abhängt , bitten wir hier immer um eine individuelle Abstimmung.
Zeigt unser Trendpfeil hingegen nach unten, besteht aktuell kein Zeitdruck für eine Anfrage. Im günstigsten Fall kann man sich sogar Hoffnung auf weitere Zinssenkungen machen. Auch hier macht es Sinn, die für eine Darlehensanfrage benötigten Unterlagen vorzubereiten, damit diese Arbeit bereits erledigt ist, wenn wieder Handlungsbedarf besteht.
In turbulenten Börsenzeiten wie zur Zeit kann ein Trend sehr schnell umschlagen; es lohnt sich also, regelmäßig einen Blick auf unseren Trendpfeil zu werfen.
Doch wie verhält es sich mit der langfristigen Zinsprognose? Kann man sich heute schon ein Bild über die Hypothekenzinsen im Jahr 2012 oder 2013 machen?
Die Zeitschrift Wirtschaftswoche veröffentlicht seit vielen Jahren zum Jahresauftakt das Ergebnis ihrer Anfrage zum Thema: "Wo sehen Sie den Zins am Jahresende?". Gefragt werden dabei die Anleiheexperten von rund 15-20 Banken.
Es ist immer wieder spannend zu sehen, dass sich selbst auf einen überschaubaren Zeitraum von nur 12 Monaten die Meinungen so dermaßen unterscheiden, dass die Zinsdifferenz zwischen der tiefsten und höchsten Prognose bei mehr als 2 % liegt. Und das vor dem Hintergrund, dass die Prognosen direkt aus den Researchabteilungen der angefragten Banken stammen; soll heißen: Bankprofis mit entsprechend spezialisierter Ausbildung und langjähriger Erfahrung am Kapitalmarkt.
Wir können uns daher ein Lächeln nicht verkneifen, wenn uns Kunden von Gesprächen berichten, in denen Bank-, Bausparkassen- oder sonstige Berater mit einer absoluten Bestimmtheit eine Zinspronose abgeben. Nicht selten hören wir Sätze wie : "Mein Berater hat mir geraten jetzt ein Forwarddarlehen abzuschließen, weil der Zins in 2 Jahren sicherlich bei 7 % liegen wird oder gar noch höher."
Wir meinen: Es ist völlig legitim, seine Meinung bzgl. der kommenden Zinsentwicklung kundzutun. Es gilt aber hier deutlich zu machen, dass es sich um eine Meinung handelt, die auch genauso gut falsch sein kann. Hinter einer einfachen Prognose: "Ich sehe den Zins in 2 Jahren bei 7 %" steht nicht mehr Substanz als hinter der Prognose, wer in der kommenden Bundesligasaison Meister und wer absteigen wird.
Aber man meint doch zu wissen...
…dass es durchaus konkret nachvollziehbare Eckdaten gibt, die einen Einfluss auf die Zinsentwicklung haben: Inflationsraten, Großhandelspreise, Staatsverschuldung, Wirtschaftswachstum, und dergleichen mehr… Ist es nicht so, dass eine steigende Inflation ebenso wie steigendes Wirtschaftswachstum steigende Zinsen zur Folge hat und umgekehrt?
Richtig ist, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Inflationsrate und der wirtschaftlichen Entwicklung einerseits und der Zinsfestlegung der Notenbanken andererseits gibt. Im erweiterten Sinne fließen Wechselkurse, Handelsbilanzen und weitere wirtschaftliche Parameter in die Entscheidungen der Notenbanken ein und sind damit die Grundlage für die Zinspolitik. Wenn also Inflationsraten steigen und auch die wirtschaftliche Entwicklung an Fahrt gewinnt, ist eine Zinserhöhung der Notenbank in der nächsten Zeit in der Tat mit einiger Gewissheit vorhersehbar.
Aber...
...und hier liegt das große Missverständnis: Die Notenbank legt lediglich die Zinssätze für die Refinanzierungsgeschäfte fest und ohne hier in die Details gehen zu wollen: es handelt sich hier um die Zinssätze für das kurzfristige Kreditgeschäft mit Laufzeiten von maximal 3 Monaten. Die Notenbanken nehmen über ihre zinspolitischen Entscheidungen Einfluss auf die Kreditversorgung des Bankensystems und versuchen damit auf die wirtschaftliche Entwicklung einzuwirken. So kann in Abschwungphasen durch "billiges Geld" die Wirtschaft angekurbelt werden und in Aufschwungphasen durch rechtzeitige und wohl dosierte Zinserhöhungen einer Überhitzung vorgebeugt werden. Man stelle sich an dieser Stelle einen Heißluftballon vor, der je nach Thermik und gewünschter Höhe die Lufttemperatur im Ballon einstellt.
Somit kann man also durchaus - in begrenztem zeitlichen Rahmen - eine Vermutung über die Entwicklung der kurzfristigen Zinssätze anstellen. Wer also ein laufendes 3-Monats-Festgeld verlängern möchte, darf ein wenig spekulieren.
Da es bei Hypothekendarlehen meist um Laufzeiten von 10 Jahren und länger geht, folgen die Hypothekenzinssätze jedoch grundsätzlich der Zinsentwicklung langfristiger festverzinslicher Wertpapiere, z. B. Staatsanleihen. Und die Zinssätze dieser Papiere bestimmt praktisch allein der (internationale) Kapitalmarkt. Auf diesem treffen, wie an den Aktienbörsen auch, Angebot und Nachfrage von Millionen von Marktteilnehmern zusammen. Angebot und Nachfrage widerum werden getrieben durch die Markterwartungen der Anleger und Kreditnehmer und genau hier liegt die Krux !
Zum Verständnis konstruieren wir einmal ein Beispiel:
Die Zinsen der 10-jährigen Hypotheken stehen in einem direkten Verhältnis zu den 10-jährigen Staatsanleihen und Pfandbriefen. Nehmen wir einmal an, Sie haben 10.000 Euro übrig, die Sie langfristig, beispielsweise für 10 Jahre, anlegen möchten. Sie erwägen den Kauf einer Bundesanleihe. Der Presse entnehmen Sie, dass in den kommenden Jahren wieder mit einem steigenden Wirtschaftswachstum zu rechnen ist. Auch die Inflation beginnt zu steigen. Die Verzinsung die Ihnen die Bundesanleihe beträgt - einmal angenommen - 3,5 %. Unter der Voraussetzung, dass Sie alle Zinserträge reinvestieren und wir die Abgeltungssteuer einmal außer Acht lassen, würden Sie sich nach 10 Jahren über einen Vermögenszuwachs von ca. 4.105 Euro freuen dürfen.
Nun sind Sie sich aber nicht sicher, ob es nicht klüger wäre noch ein wenig abzuwarten. Vielleicht bietet Ihnen die Anleihe in 3 Monaten auf Grund des steigenden Wirtschaftswachstums und der steigenden Inflation eine Verzinsung von 4,0 %? Das würde immerhin einen Vermögenszuwachs von 4.802 Euro bescheren und damit hätte sich das Warten doch wirklich gelohnt. Also Sie warten noch ab und parken Ihr Geld erst einmal auf einem Tagesgeldkonto.
Auf der anderen Seite überlegt sich ein Mittelständler seinen Maschinenpark auszubauen. Die Auftragsbücher füllen sich zunehmend und die Produktionskapazitäten könnten knapp werden. Vor dem Hintergrund der ebenfalls von ihm erwarteten baldigen Zinssteigerung zieht er sein Investitionsvorhaben um ein halbes Jahr vor...
Was ist hier passiert ?
Sie als Anleger halten Geld, das langfristig angelegt werden soll erst einmal zurück. Der Unternehmer hingegen ruft seinen Kreditbedarf eher ab als ursprünglich geplant. Nun stellen Sie sich vor, dass nicht nur Sie und der Unternehmer in Erwartung steigender Zinsen so handeln, sondern Millionen anderer Menschen auch. Während hier also einerseits auf der Angebotsseite Geld zurückgehalten wird, wird auf der Nachfrageseite Geld verstärkt nachgefragt. Und die Folge eines geringeren Angebotes und einer verstärkten Nachfrage ist Ihnen bekannt: Der Preis steigt. Der Preis für Geld sind die Zinsen. Sie steigen in diesem Beispiel auf Grund der Erwartungen.
Fachleute sprechen davon, dass die Erwartungen - in diesem Beispiel auf ein stärkeres Wirtschaftswachstum in einem Jahr - bereits heute in den Zinsen eingepreist sind. Ähnlich funktionieren auch die Aktienmärkte und nehmen damit wirtschaftliche Entwicklungen i.d.R. mit einer Vorlaufzeit von ca. 6 bis 12 Monaten vorweg. Die Märkte funktionieren somit wie ein Barometer.
Somit erklärt sich auch folgendes Phänomen:
Die Europäische Zentralbank erhöht die Zinsen, was in den Medien auch kommuniziert wird. Viele unserer Kunden befürchten, dass das avisierte Finanzierungsvorhaben nun teurer wird als geplant. Doch oft dürfen wir dann mit der Nachricht, dass die Hypothekenzinssätze gesunken sind, für positive Überraschungen sorgen.
Die dahinterstehende Logik ist folgende: Die Zentralbank legt wie beschrieben die Zinsen für das 'kurzfristige Geld' fest. Verteuert sich dieses kurzfristige Geld, führt dies nach klassischer Volkswirtschaftslehre zu einer maßvollen Dämpfung des Wirtschaftswachstums und in der Folge auch zu einer Eindämmung der Inflation. Und somit soll dem Kapitalmarkt langfristig der Nährboden für steigende Zinsen entzogen werden.
Was bedeutet das für Ihre Baufinanzierung?
Die Entwicklung der kurzfristigen Zinsen kann man - mit eingeschränkter Gewissheit - auf die kommenden Monate hin einigermaßen vorhersehen. Ziehen Wirtschaftswachstum, Inflation und Lohnentwicklung an sind Gegenmaßnahmen - also Zinserhöhungsschritte - der Notenbanken zu erwarten.
Die langfristigen Zinsen vorherzusehen, hieße die Erwartung (die ja bereits in die Zukunft gerichtet ist) der Marktteilnehmer vorherzusehen, also sozusagen eine Vorhersage der Vorhersage treffen zu können. Das kann sogar gelingen, aber wenn selbst die 12-Monatsprognosen absoluter Topbanker eine Differenz von 2 % ausweisen, sind Sie gut beraten, hinter jede Zinsprognose ein dickes Fragezeichen zu setzen…

